Als etwa im Jahr 1870 zu Zeiten Kaiser Wilhelm II. (1851-1941) die Handstrickmaschine erfunden war, erhielt die "Berchtesgadener" (auf urbayrisch "Hemad" genannt) endlich ihr einheitliches Aussehen. Vorher war jede ein wenig anders, aber immer schwarz.

Für Hochzeiten wurden sie auch in weiß getragen, ebenso gab es weiße Jäckchen für Kommunionskinder.

In den 1930er Jahren wurde diese Urtracht vom NS-Regime zwangsrekrutiert (Uniform für Bund deutscher Mädel - BDM) gegen Wind und Kälte. Das Jäckchen ist völlig unschuldig und hat mit dieser Ideologie nichts gemeinsam. Im Gegenteil, die Bayern können stolz auf ihre lange Tradition und Handwerkskunst sein.

Die Herstellung dieser Jacken sehen wir nicht als Broterwerb, vielmehr ist es ein Akt der Hygiene, eine Abwehrhaltung gegen verkitschtes im Trachtensektor.

Heute besinnt sich die Jugend immer mehr auf das Erbe der Altvorderen. Heimatverliebte Dirndln tragen mit Stolz die "echte". Und der österreichische Landadel vom Hochgebirge bis ins Tal ist begeistert von der Österreich-Version.

Berchtesgadnerin
Berchtesgadnerin um die Jahrhundertwende (1890-1910)